externes bewerbermanagement

Tipps und Tricks rund um die Bewerbung

Jobinterview

Bei jedem Vorstellungsgespräch menschelt es. Und ob Sie den Job schließlich bekommen oder nicht, hat viel damit zu tun, ob die Chemie stimmt.

Verhaltenspsychologen empfehlen einen einfachen Trick: Nehmen Sie eine Sitzhaltung ein, die der des Gegenübers entspricht. Denn Menschen, die sich sympathisch sind, nehmen oft dieselbe „gespiegelte" Körperhaltung ein. Kommt Ihnen dies spanisch vor, probieren Sie es trotzdem. Denn es bewahrt Sie davor, wie ein Häufchen Elend auf der Stuhlkante zu hocken, breitbeinig den Lässigen zu markieren oder aus lauter Nervosität mit den Füßen zu scharren oder sich am Ohrläppchen zu zupfen.

Entscheidend für den Erfolg eines Vorstellungsgespräches ist eine möglichst gute Vorbereitung. Das gibt Sicherheit und bewahrt davor, in die schlimmsten Fallen zu tappen. Wenn es trotzdem nicht klappt, war es vielleicht einfach nicht der richtige Job.

Gut informiert ist halb gewonnen

Verschaffen Sie sich alle wichtigen Informationen über Aktivitäten, Erfolg und Unternehmenskultur des Wunscharbeitgebers. Viele Konzerne präsentieren sich im Internet. Weitere ergiebige Quellen sind: Handelsregister, Wirtschaftsverbände, Zeitungsarchive. Manche Banken haben öffentlich zugängliche Archive mit Presse- und Geschäftsberichten ihrer Kunden.

Achten Sie besonders auf aktuelle Probleme und Projekte des anvisierten Arbeitgebers, auf die sie im Gespräch vielleicht eingehen können.

Wenn Sie in einer Bank arbeiten möchten, betreten Sie ruhig einmal die Schalterhalle als vermeintlicher Kunde. Üben Sie „Method acting“ auch am Telefon: Die Presseabteilung großer Unternehmen schickt Ihnen Material, wenn Sie wichtig genug wirken

Selbstbewusststein aufbauen

Stärken Sie Ihr Selbstbewusstsein, indem Sie alle Dinge, die Sie in Ihrem Leben, beruflich oder privat, erreicht haben, aufschreiben. Machen Sie sich klar, warum Sie gut sind und dementsprechend die erste Wahl für den Wunschjob. Vergleichen Sie das Stellenprofil mit ihrem Qualifikationsprofil. Lesen Sie diese Notizen öfters durch, damit Sie sie für das Vorstellungsgespräch verinnerlichen.

Pauken Sie keine Formulierungen, aber üben Sie ruhig einmal laut Antworten auf kritische Fragen. Checken Sie vor dem Spiegel Mimik und Gestik. Wer mit den Fingern trommelt oder die Brille ständig abnimmt, wirkt nervös und aggressiv.

Kleider machen Leute

Planen Sie die Kleiderfrage rechtzeitig. Ein einheitlicher Dresscode existiert nicht, alles geht, solange es gepflegt wirkt und Sie sich darin wohl fühlen. In der Banken-, Versicherungs- und Beraterbranche kommt eine konservative Garderobe nach wie vor gut an, bei kreativen und innovativen Berufen ist der klassische Business-Look eher out.

Wenn Sie sich für das Bewerbungsgespräch neu einkleiden, tragen Sie das Outfit vorher mindestens einmal. So wirkt es weniger steif und Sie wissen, ob Sie sich dauerhaft darin wohl fühlen. Auf dem Weg zum Gespräch festzustellen, dass der Rock zu kurz ist oder die Hose beim Sitzen kneift, verunsichert zusätzlich.

Bleiben Sie möglichst dezent. Die Primadonna ist – wenn überhaupt – der Personalchef. Vermeiden Sie also tunlichst, ihn mit Ihrem neuesten Armani-Jackett in den Schatten zu stellen. Übertriebenes Understatement verkürzt Ihr Engagement bei der Firma allerdings ebenfalls.

Auch bei der Frisur ist der Schnitt nicht so entscheidend wie die Gepflegtheit. Sehr lange Haare bei Männern kommen allerdings bei vielen Personalchefs nicht gut an, ebenso wenig wie dick aufgetragene Schminke, auffälliger Schmuck und aufdringliches Parfum beim weiblichen Geschlecht.

Wer zu spät kommt, ...

... den bestraft die Personalabteilung. Pünktlichkeit beim Vorstellungstermin ist oberstes Gebot. So lächerlich es klingt: Machen Sie sich deshalb vorher mit dem Anfahrtsweg vertraut. Kümmern Sie sich um die Fahrzeiten von Bus und Bahn und planen Sie auch das letzte Stück zu Fuß mit ein.

Eine Verspätung verursacht einen schlechten Einstieg, zumal Ihr Gegenüber in der Regel nur begrenzt Zeit hat. Andererseits sollten Sie Ihre Gesprächspartner nicht schon eine Stunde vor dem vereinbarten Termin überraschen – mehr als zehn Minuten zu früh sollte man nicht erscheinen.

Der Anfang ist leicht

... denn das Skript kennen Sie – zumindest dann, wenn Sie sich gründlich vorbereitet haben und das Unternehmen professionell vorgeht. Nach kurzem Eingangsgeplänkel ist Ihr erster Monolog zum Thema „Mein Werdegang“ fällig. Schwaflertypen sind in der deutschen Wirtschaft unbeliebt. Kalte Fische allerdings auch – deshalb sollte man nicht kurzangebunden und nüchtern wirken. Wolfgang Lichius von der Kienbaum Personalberatung: „Gehen Sie auf die Situation ein, und verlieren Sie sich nicht in Details.“

Marketing in eigener Sache

Den weiteren Dialog bestimmt das Unternehmen. Der Personalentscheider schöpft oft aus einem reichen Repertoire an Standardfragen, die sich in jedem guten Anleitungsbuch zum Vorstellungsgespräch finden. Ihre spontanen Antworten können Sie daher von langer Hand planen. Besonders auf zu erwartende stressige Fragen, etwa Lücken im Lebenslauf, sollten Sie sich vorher eine überzeugende Antwort zurechtlegen.

Bleiben Sie dabei glaubwürdig. Märchen erzählen fällt auf, wenn die Aussagen nicht zu Ihrem Persönlichkeitsprofil passen. Und Vorsicht: Manche Unternehmen holen sich Referenzen von Ex-Arbeitgebern, Lehrern oder Professoren.

Mit klugen Fragen punkten

Professionelle Interviewer führen strukturierte Bewerbungsgespräche und wollen präzise, klare und ehrliche Antworten. Doch auch mit klugen Fragen lassen sich Punkte sammeln. „Warum“-Fragen sollten Sie vermeiden, sie klingen leicht nach Kritik. Besser sind offene Fragen, die mit „Wer“, „Was“ oder „Wie“ beginnen und eine längere Auskunft erfordern.

Sie dürfen und sollen Fragen stellen, die für Ihre Entscheidungsfindung wichtig sind und noch nicht im Laufe des Gesprächs geklärt wurden. Erkundigen Sie sich allerdings nicht als Erstes nach Urlaubsgeld und -anspruch oder Gleitzeit. Fragen Sie zum Beispiel, mit wem Sie zusammenarbeiten werden. Gern gesehen sind auch Interesse an Unternehmensstrategien, Entwicklungsmöglichkeiten, Einordnung der Stelle im Organigramm. Hilfreich ist es, eine Liste von Fragen schon vor dem Vorstellungsgespräch zu erstellen, da man in der Aufregung sonst die Hälfte vergisst. Übrigens: Unterlagen dabeizuhaben, wirkt nicht unsicher, sondern professionell.

Vielleicht spielen Sie aber auch nur eine Statistenrolle. Manch ein Personalchef sucht statt eines Mitspielers nur ein Publikum. „Vielredner fühlen sich wohl, wenn ihnen mit Interesse und aktiv zugehört wird“, erklärt Karriereberaterin Sabine Hertwig. „Oft werden Kandidaten eingestellt, die ein schlechtes Gefühl haben, weil sie gar nicht zu Wort gekommen sind.“

Motivation zeigen

Ihr zukünftiger Arbeitgeber wünscht sich, dass seine Stelle Ihre erste Wahl ist. Erklären Sie deshalb, warum Sie gerade dieses Unternehmen so interessant finden, warum Sie gerade dort Ihre beruflichen Ziele besonders gut verfolgen können. Vergessen Sie nicht: Die Unternehmensziele sind auch Ihre Ziele. Erklären Sie, warum gerade Sie die Firma oder die Abteilung nach vorne bringen können.

Über den Tellerrand schauen

Wo wollen Sie in fünf Jahren stehen? Auch diese Frage gehört zum Standardrepertoire der Personalchefs. Man will wissen, ob Sie Perspektiven für sich selbst haben und ob sich diese mit den Vorstellungen des Unternehmens decken. Längerfristige Planung ist in verantwortlichen Positionen unerlässlich, nur so sind Reichweite und mögliche Konsequenzen von Entscheidungen absehbar.

Soziale Kompetenz ist unerlässlich

Häufig werden Bewerber danach gefragt, wie sie mit den Ex-Kollegen und Vorgesetzten zurechtkamen. Ziehen Sie bloß nicht vom Leder. Man wird Sie für schwierig und im Ernstfall nicht für teamfähig halten.

Nennen Sie möglichst objektiv positive und negative Seiten Ihrer alten Arbeitsstelle: etwa mangelnde Fortbildungs- oder fehlende Aufstiegsmöglichkeiten. Das sind gute Gründe, eine Arbeitsstelle zu verlassen. Versäumen Sie aber nicht, auch etwas Positives zu erwähnen: das gute Betriebsklima zum Beispiel.

Worüber man nicht spricht

Nur noch selten steigern Personalchefs das Lampenfieber der Jobanwärter mit dreisten Unterstellungen oder unerlaubten, unangenehmen Fragen. Und wenn doch, dann heißt es: cool und zumindest vorübergehend freundlich bleiben. Man will von Ihnen wissen, ob Sie homosexuell, schwanger oder pervers sind? Dann fragen Sie einfach zurück, ob das Voraussetzung für den Job sei.

Geht die „Spanische Inquisition“ weiter, sollten Sie überlegen, ob Sie in diesem Theater Ihre Zukunft sehen. Stressinterviews zeugen meist von einer unangenehmen Unternehmenskultur.

Unzulässig sind Fragen nach:

  • Parteizugehörigkeit
  • Heirat
  • Kinderwunsch
  • Austritts- oder Kündigungsgrund im früheren Unternehmen
  • öffentlichen Ämtern und Ehrenämtern
  • Mitgliedschaft in Vereinen und Verbänden
  • Religionszugehörigkeit
  • Vorstrafen
  • Schwangerschaft
  • Gewerkschaftszugehörigkeit
  • Vermögensverhältnisse

Über Geld spricht man schon

Etwa ein Drittel aller Bewerber wird auf Grund zu hoher Gehaltsvorstellungen abgelehnt. Erkundigen Sie sich deshalb bereits im Vorfeld über die branchenüblichen Gehälter für die Position, die Sie einnehmen wollen. Bietet man Ihnen etwas weniger, verhandeln Sie, aber bestehen Sie im Zweifelsfall nicht auf das Mehr. Machen Sie die Differenz lieber zum Thema des ersten Gehaltsgespräches mit Ihrem neuen Chef, wenn Sie den Job bekommen haben.

Neue Runde, neues Glück

Zum Ende des Gesprächs sollte geklärt werden, wer sich wann beim anderen meldet. Folgt dem höflichen „Wir kommen auf Sie zu“ eine förmliche Absage, grämen Sie sich nicht. Wir sind nicht auf der Welt, es allen Menschen recht zu machen. Analysieren Sie im Nachhinein, was Sie hätten besser machen können und lernen Sie so für das nächste Gespräch.

Das Spontaninterview

Anders als bei klassischen Bewerbungsgesprächen im Unternehmen, müssen Sie bei spontanen Gesprächen – etwa auf einer Bewerbermesse – davon ausgehen, dass Ihr Gegenüber Ihre Unterlagen nicht kennt. Bereiten Sie sich also darauf vor, die wichtigsten Punkte Ihres Lebenslaufs in Kürze wiedergeben zu können. Hier einige Beispiele für häufige Fragen:

• Was hat Ihnen in Ihrer Ausbildung am meisten Spaß gemacht? Was am wenigsten?
Lassen Sie bei der Beantwortung dieser Frage Ihrer Begeisterung freien Lauf und beziehen Sie sich auch auf Ihr künftiges Wunschaufgabengebiet. Achten Sie bei den weniger „spaßigen“ Bereichen darauf, dass Sie sich vorsichtig ausdrücken. Vermeiden Sie negative äußerungen. Relativieren Sie. Schimpfen und Lästern kommt ganz schlecht an.

• Sie haben Musikwissenschaften studiert und bewerben sich jetzt für eine Trainee-Position im Bereich Marketing? Wie passt das zusammen?
Sie bewerben sich nicht nur fachfremd, es ist auch nicht unmittelbar erkennbar, warum Sie das tun. Das Unternehmen möchte zum einen ihre Beweggründe verstehen, zum anderen erkennen, wohin die Reise gehen soll.

• Warum hat Ihr Studium so lange gedauert?
Spezielle Unternehmen aus der Beraterbranche tendieren dazu, Bewerber einzustellen, die ihr Studium in kürzester Zeit sehr gut abgeschlossen haben. Lassen Sie sich durch diese Frage nicht provozieren. Das Unternehmen will sehen, wie Sie mit unangenehmen Fragen umgehen. Wenn es einen Grund gegeben hat, warum das Studium lange gedauert hat, können Sie diesen ja nennen. Ansonsten: Fassen Sie sich kurz und verfallen nicht in ausführliche Rechtfertigungen.

Warum sollten wir gerade Sie einstellen?
Diese Frage wird so oder ähnlich eigentlich immer gestellt. Trotzdem sind die wenigsten Bewerber darauf vorbereitet. Hier geht es um Ihre Selbsteinschätzung: Fassen Sie Ihre fachlichen und persönlichen Stärken nochmals kurz zusammen und bringen Sie sie in Zusammenhang mit den Anforderungen des Unternehmens.

• Sie haben einen ungewöhnlichen Werdegang. Über den zweiten Bildungsweg haben Sie sich zu einem Studium mit anschließender Promotion entschlossen. Was war der Grund dafür?
Begründen Sie ausführlich und überzeugend, weshalb dieser Weg für Sie der richtige war oder ist. Was war der Auslöser für die Entscheidung? Das Unternehmen möchte hören, dass Sie Ihre Berufsplanung nicht dem Zufall überlassen haben, sondern ganz bewusst und gezielt vorgegangen sind.

Quelle: www.focus.de